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Wenn Hitze zur Belastung wird: Was Einrichtungen jetzt tun sollten

Juli 1, 2026 | Arbeits- und Gesundheitsschutz

Hohe Temperaturen wirken sich auf nahezu alle Arbeitsbereiche in Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens aus. Ob im Büro, in der Pflege, in der Versorgung, in der Küche, im ärztlichen Dienst oder bei Tätigkeiten im Freien: Hitze kann die körperliche und psychische Belastung deutlich erhöhen.

Je nach Tätigkeit und individueller Belastung reichen die Folgen von starkem Schwitzen, Müdigkeit und Kopfschmerzen bis hin zu Konzentrationsstörungen, Dehydrierung, Kreislaufproblemen oder im Ernstfall Hitzekollaps und Hitzschlag. Besonders kritisch wird es, wenn schwere körperliche Arbeit, Schutzkleidung, schlecht belüftete Räume oder lange Dienstzeiten zusammenkommen.

Zusätzlich wurden Anfang 2026 wichtige DGUV-Informationen zum Raumklima aktualisiert bzw. neu veröffentlicht, darunter die DGUV Information 215-510 „Beurteilung des Raumklimas – Handlungshilfe für kleine und mittlere Unternehmen“ sowie die DGUV Information 215-520 „Klima im Büro – Antworten auf die häufigsten Fragen“.

Für Einrichtungen im Gesundheits- und Sozialwesen bedeutet das: Hitzeschutz sollte nicht erst dann beginnen, wenn Räume bereits stark überhitzt sind. Entscheidend ist, frühzeitig zu prüfen, welche Bereiche besonders belastet sind, welche Mitarbeitenden ein erhöhtes Risiko haben und welche technischen oder organisatorischen Maßnahmen schnell umgesetzt werden können.

Wer trägt die Verantwortung?

Der Schutz der Beschäftigten vor hitzebedingten Risiken liegt beim Arbeitgeber. Grundlage ist die Gefährdungsbeurteilung nach § 5 ArbSchG. Dabei sollte auch das Thema Raumtemperatur berücksichtigt werden.

Unterstützt wird der Arbeitgeber dabei durch die Fachkraft für Arbeitssicherheit und den Betriebsarzt. Die Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A3.5 „Raumtemperatur“ gibt konkrete Hinweise dazu, welche Maßnahmen bei erhöhten Raumtemperaturen zu prüfen und umzusetzen sind.

Welche Temperaturen sind entscheidend?

Quelle: Eigene Darstellung mit Unterstützung von ChatGPT in Anlehnung an die Ernst von Bergmann Gruppe

Bereits ab einer Raumtemperatur von 26 °C sollten Arbeitgeber aufmerksam werden. Wird dieser Wert überschritten, ist anhand der Gefährdungsbeurteilung zu prüfen, welche Maßnahmen erforderlich sind.

Mögliche technische Maßnahmen sind zum Beispiel:

  • außenliegende Sonnenschutzvorrichtungen wie Markisen oder Jalousien,
  • Sonnenschutzverglasungen,
  • innenliegende Sonnenschutzeinrichtungen,
  • geeignete Lüftungs- oder Kühlungskonzepte.

Zusätzlich können organisatorische Maßnahmen sinnvoll sein, etwa:

  • schwere körperliche Tätigkeiten reduzieren,
  • Arbeitszeiten anpassen,
  • zusätzliche Pausen ermöglichen,
  • Getränke kostenfrei bereitstellen,
  • Bekleidungsregelungen prüfen, sofern Arbeits- oder Schutzkleidung die Wärmeabgabe erschwert.

Werden 30 °C Raumtemperatur überschritten, müssen weitere wirksame Maßnahmen ergriffen werden. Dazu gehören unter anderem:

  • Klimageräte oder Ventilatoren einsetzen,
  • Sonnenschutz konsequent steuern, zum Beispiel Jalousien auch nach Dienstschluss geschlossen halten,
  • Räume in den frühen Morgenstunden oder nachts gezielt lüften,
  • elektrische Geräte nur bei Bedarf betreiben,
  • Nutzung von Gleitzeitregelungen zur Arbeitszeitverlagerung,
  • zusätzliche Entwärmungsphasen festlegen,
  • Bekleidungsregeln lockern, sofern dies mit Hygiene- und Arbeitsschutzanforderungen vereinbar ist.

Bei Raumtemperaturen von mehr als 35 °C ist ein Raum grundsätzlich nicht mehr als Arbeitsraum geeignet, solange diese Temperatur überschritten wird.

Was können Einrichtungen konkret tun?

Der wichtigste Schritt ist eine aktuelle Gefährdungsbeurteilung. Prüfen Sie, welche Bereiche Ihrer Einrichtung besonders betroffen sind: Bewohnerzimmer, Pflegebereiche, Küchen, Büros, Aufenthaltsräume, Behandlungsräume oder auch Außenbereiche.

Bei der Maßnahmenplanung gilt das sogenannte TOP-Prinzip:

Technische Maßnahmen haben Vorrang. Dazu zählen Sonnenschutz, Lüftung, Klimatisierung oder Ventilatoren. Viele dieser Maßnahmen müssen frühzeitig geplant werden, sind aber besonders nachhaltig und wirksam.

Organisatorische Maßnahmen helfen, Belastungen im Arbeitsalltag direkt zu reduzieren. Dazu gehören angepasste Dienstpläne, zusätzliche Pausen, Arbeitszeitverlagerungen, Getränkeangebote oder die Vermeidung besonders belastender Tätigkeiten während der heißesten Tageszeiten.

Personenbezogene Maßnahmen ergänzen den Schutz. Dazu zählen kurze Unterweisungen, Hinweise zum richtigen Lüften und Trinken, angepasste Kleidung oder das Erkennen erster Warnzeichen bei sich selbst und anderen.

Einfache Tipps für Mitarbeiter

Neben den organisatorischen Maßnahmen ist es wichtig, Mitarbeitende aktiv und verständlich zu informieren. Kurze Hinweise im Team, Aushänge, Intranet-Meldungen oder Übergabebesprechungen können helfen, Risiken frühzeitig zu reduzieren.

Diese Tipps eignen sich für die direkte Kommunikation an Mitarbeitende:

Trinken Sie regelmäßig, bevor Durst entsteht.
Am besten eignen sich Wasser, ungesüßte Tees oder verdünnte Saftschorlen. Kleine Mengen über den Tag verteilt sind besser als große Mengen auf einmal.

Achten Sie auf erste Warnzeichen.
Kopfschmerzen, Schwindel, starke Müdigkeit, Übelkeit, Konzentrationsprobleme oder ungewöhnlich starkes Schwitzen können Hinweise auf Hitzebelastung sein. Sprechen Sie frühzeitig Ihre Führungskraft oder Kolleginnen und Kollegen an.

Nutzen Sie kühlere Tageszeiten.
Wenn möglich, verlegen Sie körperlich anstrengende Tätigkeiten in die Morgenstunden.

Lüften Sie gezielt.
Lüften Sie möglichst früh morgens oder in kühleren Zeiten. Während der größten Hitze sollten Fenster und Sonnenschutz geschlossen bleiben, wenn dadurch weniger Wärme in die Räume gelangt.

Reduzieren Sie zusätzliche Wärmequellen.
Schalten Sie elektrische Geräte aus, sobald Sie sie nicht mehr benötigen.

Nehmen Sie Pausen ernst.
Kurze Entlastungsphasen in kühleren Bereichen helfen, Kreislauf und Konzentration zu stabilisieren.

Achten Sie aufeinander.
Gerade bei Hitze ist gegenseitige Aufmerksamkeit wichtig. Wirken Kolleginnen oder Kollegen erschöpft, verwirrt oder kreislaufschwach, sollten Sie schnell reagieren.

Damit Hitzeschutz nicht nur auf dem Papier steht, sondern im Alltag sichtbar wird, haben wir die wichtigsten Hinweise als kompakte Merkblätter und Aushänge für Sie vorbereitet. So können Sie Mitarbeitende schnell sensibilisieren und Patienten, Bewohner sowie Klienten verständlich informieren – ohne eigene Materialien erstellen zu müssen.

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Autorin: Gerda Reshetnykov